Achtung bei der Montage von Runflatreifen

Das montieren von neuen Reifen beim Reifenhändler sollte die leichteste Leistung sein die ein Reifenservice vollbringt, gehört es doch zur Spezifiaktion des Reifenfachhandels.

Tatsächlich aber lässt das Thema zur Zeit die Köpfe etlicher Fachleute rauchen: Grund sind die sogenannten Runflat- und Ultra High Performance Reifen (UHP). Bei ihnen besteht wegen der speziellen Konstruktion die Gefahr, dass es durch unsachgemäße Montage zu Schäden kommen kann, die sich erst spät bemerkbar machen.

Runflat steht für Reifen, die auch bei einer Beschädigung eine Weiterfahrt mit niedriger Geschwindigkeit zulassen. Die Bezeichnung UHP wird für Reifen mit extremen Breitformaten und Durchmessern genutzt, die für 240 Stundenkilometer und mehr zugelassen sind. Sowohl Runflat als auch UHP haben sich mittlerweile zu Bestsellern entwickelt: «UHP- und Runflat-Reifen zusammen bringen es jetzt auf einen Anteil von gut 18 Prozent – Tendenz weiter steigend», sagt Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) in Bonn.

Mit der Verbreitung wird auch das grundsätzliche Problem der Montage immer wichtiger: «Die Standard-Reifenmontage ist hier nicht wirklich geeignet», sagt Ruprecht Müller, Reifenexperte des ADAC-Technikzentrums in Landsberg (Bayern). Das liegt an der Konstruktion: «Runflat-Reifen zum Beispiel haben verstärkte Flanken. Weil dort mehr Material eingesetzt wird, sind sie nicht sehr flexibel», erklärt Bernd Semmler, verantwortlich für das Training-Center des Reifenherstellers Michelin in Karlsruhe. Auch UHP-Reifen haben sehr niedrige Flanken und stellen Monteure vor vergleichbare Probleme.

«Wegen der steifen Flanken besteht bei unsachgemäßer Montage die Gefahr, dass der sogenannte Reifenwulst überdehnt wird», so Ruprecht Müller. In diesem Wulst sitzt außerdem das Wulstkabel aus Metall, das mit Gummi ummantelt ist. «Dieses Gummi kann beschädigt werden, Luft und Feuchtigkeit haben die Möglichkeit einzudringen.» Das führt dann zu Korrosion am Metall, wodurch sich Material ablösen kann.

Eher unkritisch ist ein Montagefehler, wenn wegen einer Beschädigung am Wulst Luft austritt – dann wird schnell deutlich, dass etwas nicht stimmt. «Kritisch wird es aber, wenn der Fehler zunächst unbemerkt bleibt», sagt Ruprecht Müller. Denn die Feuchtigkeit kann lange für ihre zerstörerische Arbeit brauchen – womöglich kommt es erst Jahre nach der Beschädigung zum großen Knall.

Kennern des Reifengeschäfts sind diese Problem nicht unbekannt geblieben. Laut dem BRV wurde ein Arbeitskreis «Reifenmontage» eingerichtet, der sich mit dem Thema befasst. Dabei ging es um die Schulung der Monteure ebenso wie um die Frage, was an den Maschinen geändert werden muss. Zu den Ergebnissen gehört eine Anleitung zur Montage und Demontage. Die ersten zertifizierten Montagemaschinen sollen ab 20. Mai auf der Fachmesse «Reifen» in Essen zu sehen sein.

Der Laie wird solche Maschinen wohl nicht vom Vorgängermodell unterscheiden können. Es wird daher empfohlen, sich an einen Fachbetrieb zu wenden, wenn der Wechsel eines Runflat- oder UHP-Reifens ansteht. «Man sollte nachfragen, ob die entsprechenden Voraussetzungen im Hinblick auf die Ausrüstung und die Qualifikation gegeben sind», so Hans-Jürgen Drechsler.

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